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Dr. Walter Kranjc
 

PWV 18

Anstatt eines Denkmals für den Bruder meines Lehrers, der im Krieg, weil er sich weigerte, Geiseln zu erschießen, ermordet wurde

Kategorie: Kammermusik
Jahr: 1986
Dauer: 11:00
Besetzung: Flöte Solo
Anmerkung zum Titel:
Flöte-Solo für Wolfgang Schulz

Uraufführung:
1986
Rundfunk Innsbruck
Wolfgang Schulz

 

Noten
Anstatt eines Denkmals für den Bruder meines Lehrers, der im Krieg, weil er sich weigerte, Geiseln zu erschießen, ermordet wurde

 

 

 
     
       

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Texte von Werner Pirchner zum Werk
Der Bruder meines Lehrers

Etwa im Jahre 1985 ermunterte mich Wolfgang Schulz, ein Stück für Flöte solo zu schreiben, welches aufzuführen er sich bereit erklärte.
Ich komponierte ein kurzes, optimistisches Thema.
Am nächsten Tag las ich in der Zeitung, daß mein ehemaliger Deutsch- und Geschichtelehrer gestorben war.
Ihm verdanke ich einen Teil meiner bescheidenen Geschichtskenntnisse.

Und jetzt erinnerte mich meine kleine Melodie an eine Episode aus Kindheitstagen:
Es war ein schöner Frühlingsnachmittag im Jahre 1952.
Vormittags hatte ich erfahren, unter welch traurigen Umständen der Bruder meines Lehrers zu Tode gekommen war.
Bedrückt schritt ich eine dunkle, ansteigende Allee entlang.
Ein Sonnenstrahl, der mich durch die Blätter der Bäume erreichte, erfüllte mich plötzlich mit einem Gefühl von Hoffnung.


     
       

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Text(e) zum Werk
Gretl Köfler über Walter Krajnc

Dr. Walter Krajnc

Am 29. Juli 1944 wurde Dr. Walter Krajnc von einem Hinrichtungskommando der Wehrmacht in der Nähe von Avignon erschossen.

Der 1916 geborene Jurist, nach dreimonatiger Gerichtspraxis von den Nazis als »unzuverlässig« entlassen, zählte zum katholischen Widerstandskreis in Hall in Tirol.

»Trotz Verbot nicht tot« lautete der Wahlspruch der dortigen Katholischen Jugend, deren Mitglieder sich schon 1938 heimlich in der oberen Sakristei der Pfarrkirche trafen. Die Gruppe wurde verraten, von der Gestapo verhört und kurzfristig festgesetzt.

Im Dezember 1940 wurde Krajnc zum Kriegsdienst eingezogen; der entschiedene Gegner des Naziregimes weigerte sich, die Offizierslaufbahn einzuschlagen.
Nach der Besetzung Südfrankreichs durch die deutsche Wehrmacht kam er mit seiner Kommandostelle nach Avignon. Da er gut Französisch sprach, knüpfte er Kontakte zu Franzosen, musizierte mit ihnen und verlobte sich mit einer jungen Französin. Die Résistance, die unter Wehrmachtsangehörigen besonders unter Österreichern systematisch nach geeigneten Verbündeten suchte, trat mit ihm in Verbindung. Er unterstützte sie mit Informationen, die er als Funker erfuhr, gehörte später auch selber zur »Gruppe Cotre«.

Wegen seiner kritischen Äußerungen im Zusammenhang mit Geiselerschießungen denunziert, wurde er zu einem Erschießungskommando befohlen, weigerte sich aber, daran teilzunehmen. Verhaftet und vor ein Kriegsgericht gestellt, wurde er auf Grund seiner Kontakte zur Résistance zum Tod verurteilt.

»Nun meine Lieben, lebt alle wohl«, schrieb er in seinem letzten Brief am Tag vor der Hinrichtung.
»Wenn es euch ein Trost sein kann, so wißt, daß keine Spur von Todesangst in mir ist.«

Er wurde auf dem Friedhof von Les Angles bei Avignon begraben; die Mitglieder der Résistance bewahren ihm ein treues Andenken.

Auch in seiner Heimatstadt Hall, wo seine Stieffamilie noch heute lebt, ist er unvergessen. Eine Straße trägt seinen Namen, und Werner Pirchner hat ihm anstelle eines Denkmals ein Flötenstück gewidmet.

Dr. Gretl Köfler